Die Macht der Gene

09.12.2010 | Berlin

WPK-Diskussionsrunde: "Gene, Gesundheit, Schlagzeilen. Wird die Macht der Gene überschätzt?"

Die Erwartungen waren enorm, als vor gut zehn Jahren das erste komplette menschliche Erbgut veröffentlicht wurde. Mit beeindruckender Geschwindigkeit schreitet die Humangenomforschung voran: Mittlerweile gibt es mehr als 3.000 komplette Erbgutsätze, stündlich spucken Sequenziermaschinen Gigabyte um Gigabyte Genomdaten aus. Das 1.000 Genome-Projekt läuft auf Hochtouren, bei einigen Erbkrankheiten sind die verantwortlichen Gene ausgemacht. Doch Genomanalysen und so genannte Genassoziationsstudien sind umstritten. Wie aussagekräftig sind sie? Welche Chancen ermöglichen individuelle Genprofile und wann kommt das "Genom für jedermann"? Wird die Rolle der Gene gar überschätzt? Neben diesen fachlichen Fragen, möchten wir auch die Rolle der Medien bei diesem Sachverhalt diskutieren.

Denn wer sich die Schlagzeilen der letzten Jahre anschaut, kann den Eindruck gewinnen, dass die Gendiagnostik in Windeseile eine Volkskrankheit nach der anderen aufklärt: "Alzheimer-Gen entdeckt", "Fettleibigkeit steckt in den Genen" etc. Dass es sich bei derlei Entdeckungen meist nur um statistisch auffällige Gen-Assoziationen ("Risikofaktoren") handelt, fällt oft genug unter den Tisch. Warum sind die Gene in den Medien so mächtig vertreten? Liegt es an geschickten PR-Stellen, die zuspitzen? Machen es sich Wissenschaftsjournalisten bei Gen-Themen zu einfach? Welche Erwartungen und Ängste werden geweckt?

Es diskutieren:

Moderation:
Kai Kupferschmidt (WPK), Der Tagesspiegel

Führung vor der Diskussion:
Ab 17 Uhr führen zwei Wissenschaftler durch einige Labore des Max-Planck-Instituts für molekulare Genetik und geben Einblicke in ihre aktuelle Arbeit (nähere Informationen s.u.).

Michal Schweiger ist Leiterin der Arbeitsgruppe "Cancer Genomics" am Max-Planck-Institut für molekulare Genetik. Die neunköpfige Arbeitsgruppe erforscht unter Anwendung neuester Technologien systematisch biologische Prozesse innerhalb von Tumoren. Ziel ist es, die Tumordiagnostik und deren Therapie - im Fokus stehen hier insbesondere Prostata- und Darmkrebs - grundlegend zu verbessern.

Bernd Timmermann leitet die Servicegruppe "Next Generation Sequencing" am Max-Planck-Institut für molekulare Genetik. Die Gruppe agiert als zentrale Service-Einheit für die wissenschaftlichen Arbeitsgruppen des Instituts und kooperiert auch direkt mit Wissenschaftlern anderer Einrichtungen. Aktuell werden zum Beispiel humane Genombereiche analysiert, die in Zusammenhang mit verschiedenen Krebserkrankungen stehen. Aber auch an der erstmaligen Entschlüsselung unbekannter Genome, wie zum Beispiel dem Kanarienvogel-Genom, wird hier gearbeitet.

Termin:
9. Dezember 2010

Ort:
Max-Planck-Institut für molekulare Genetik, Ihnestraße 63-73, 14195 Berlin

Anreise: http://www.molgen.mpg.de/institute/visit.html

Anmeldung:
Die Führung wird in erster Linie Journalisten angeboten. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Aus organisatorischen Gründen bitten wir Sie, sich sowohl für die Führung als auch für die anschliessende Diskussionsveranstaltung anzumelden: christian.esser@wpk.org