Einmal Zukunft und zurück - Berichte von der WPK-Recherchereise zum Saarland Informatics Campus

Das ist aber nett, dachte ich, als wir am Sonntagabend zum Schloss hinaufstiegen: Denn dort residiert kein Luxusrestaurant, sondern die Volkshochschule mit einem hübschen Café, in dem wir uns zum Auftakt gut unterhalten konnten. Die „Mensa Brutal“, die wir Montag mittags auf dem Campus der Uni des Saarlandes besuchten, beeindruckte uns dagegen mit nacktem Beton – und am Abend klang der Tag bei schweren saarländischen Speisen im Wirtshaus „Hilde und Heinz“ aus.  Zwei Tage lang besuchte ein Dutzend Journalistinnen und Journalisten aus der WPK und dem Freundeskreis die Informatik-Forschung auf dem Campus.  Das Programm war dicht getaktet und perfekt organisiert von Friederike Meyer zu Tittingdorf, Pressesprecherin der Universität des Saarlandes, und Lynda Lych-Knight von der WPK.

 Wir besuchten das Deutsche Zentrum für künstliche Intelligenz und das Max-Planck-Institut für Informatik, hörten Vorträge am Institut für Informatik der Universität und lernten das Zentrum für Bioinformatik und das nagelneue Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit CISPA kennen. Die Themen reichten von konkreten Anwendungen wie der Hautkrebsanalyse über verblüffend echte, Computer-generierte Videos für die Filmindustrie bis zur reinsten Grundlagenforschung: etwa um besser verständliche Software zu entwickeln, oder Cyberangriffe auf Infrastrukturen mathematisch unmöglich zu machen. Dabei sprachen die Experten die kritischsten Fragen gleich selber an – Wie können wir Software vertrauen, die wir nicht verstehen? Lassen sich Deepfakes in Bildern, Audio oder Videos durch neueste Analysetechniken enttarnen? Und können wir rekonstruieren, aus welchen Gründen Algorithmen zu ihren Entscheidungen kommen? Denn das fordert nun offenbar sogar die Europäische Datenschutzgrundverordnung, sagte einer der Experten. Die Vertiefung muss nun im Nachgang stattfinden, viele spannende Ansprechpartner haben wir auf dieser WPK-Reise kennengelernt.

(Antonia Rötger)

 

 In Saarbrücken geht es beschaulich zu - das stimmt. Unaufgeregt bis unauffällig, ein fröhliches Mausgrau sozusagen, zwischen Barock und Nachkriegsplatte. Und doch werkeln keine 15 Busminuten vom Stadtzentrum entfernt rund 800 IT-Experten an der Zukunft. Und die ist vielfältig und bunt am Informatik-Campus der Universität des Saarlands.

 Das Thema der Reise lautet zwar Künstliche Intelligenz. Doch nicht alles, woran die Wissenschaftler der Saarbrücker Universität und der anderen fünf Forschungsinstitute tüfteln, wirkt auf den ersten Blick streng wissenschaftlich. Christian Theobalt vom Max-Planck-Institut für Informatik etwa lässt in seiner Arbeitsgruppe längst verstorbene Schauspieler in aktuellen Filmproduktionen zu neuem Leben erwachen oder das virtuelle Alter Ego des Doktoranden per Mausklick Saltos vollführen und Grimassen ziehen. Mit seiner Forschung bereichert Theobalt definitiv die Trickkiste amerikanischer Filmstudios um erstaunliche Effekte. Im Grunde handelt es sich dabei um einen so genannten Deep Fake, also um Videomaterial, das mit Hilfe Künstlicher Intelligenz umfänglich manipuliert wurde.  
  Die Kenntnisse auf diesem Gebiet setzt das  Team auch bei der Identifizierung krimineller Fälschungen von Videomaterial ein. Theobalt sieht darin jedoch lediglich ein Nebenprodukt seiner eigentlichen Forschungstätigkeit: „Wir wollen Rechenverfahren entwickeln, die es ermöglichen, Szenen mit nur einer einzigen Kamera aufzunehmen und die Daten trotzdem räumlich und zeitlich realitätsgetreu im Computer zu erfassen.“  

 Solche Daten wiederum sind die Voraussetzung für Maschinelles Lernen, also für die eigenständige Anpassung der Maschine ihrer Handlungen und Interaktionen an die jeweilige Umgebung. Eine lernende Maschine besorgt sich genau diese Daten selbst, die arbeitsaufwendige Dateneingabe entfällt. Tim Dahmen vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) geht dieses Lernen noch nicht schnell genug, zumindest in bestimmten Fällen nicht. Er sucht nach Methoden, diese Umgebungen zu simulieren, um so den Lernprozess auch im Falle seltener oder unerwünschter Situationen vorantreiben zu können: „Damit ließe sich das Reaktionsverhalten Autonomer Fahrzeuge zum Beispiel in Unfallsituationen trainieren, ohne solche Unfälle real herbeiführen zu müssen.“

 Sehr real hingegen präsentiert sich die Saarbrücker Küche. Nach so viel Virtualität haben Dibbelabbes (Kartoffelpuffer mit Speck) und Gefilde (Kartoffelklöße mit Leberwurstfüllung) etwas außerordentlich erdendes. Außerdem sind die Portionen  so bemessen, dass sie einem die physischen Grenzen des eigenen Daseins schlagartig wieder ins Gedächtnis rufen. Das bodenständige Saarbrücken mit seinem spannenden Erfinder-Campus haben wir jedenfalls spontan ins Herz geschlossen. Ein Dankeschön an Organisatoren und Gastgeber!

(Dina Koletzki)