Sprache als journalistisches Thema: WPK-Recherchereise nach Heidelberg und Mannheim

Egal welches Medium, alle deutschsprachigen Journalist:innen – und hier setzt die Thematik schon ein – verwenden die deutsche Sprache. (Und manche ausländische wie ich auch.) Wie ist es aber um die deutsche Sprache bestellt? Das war die Motivation für die zweitägige Recherchereise nach Mannheim und Heidelberg. Inwieweit kann das Bewusstsein der Menschen über die Sprache geändert werden? Was macht die Computerlinguistik? Welche Auswirkungen hat die Pandemie auf die Sprache? Und unweigerlich das Thema „gendern“: Wie geht man damit um, auch in anderen Ländern, die es nicht so leicht haben wie die Engländer, sorry, Engländer:/*innen. Diese und ähnliche Fragen standen auf dem Programm. Also, Sprache als journalistisches Thema.

Lynda Lich-Knight

 

Studenten, Student*innen, Studierende?

Welches ist die korrekte Bezeichnung – semantisch, grammatikalisch, politisch?  Um das generische Maskulinum oder Femininum, um Partizipalform oder nicht binären Gendergap toben seit Jahren wahre Sprachschlachten, beobachtet Prof. Henning Lobin, Direktor des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache in Mannheim. Das IDS war am 25. Oktober 2021 erste Station der wpk-Recherchereise „Sprache als journalistisches Thema“.  Das Institut für Deutsche Sprache ist die Institution, wenn es um den Wortschatz geht, den Sprachgebrauch oder um die digitale Sammlung deutscher Wörter im DeReKo - Deutsches Referenzkorpus. Die umfasst aktuell ca. 50 Milliarden Wörter. Aber Prof. Lobin betont, „die einzige normierte Instanz der Deutschen Sprache ist der Rat für Deutsche Rechtschreibung. Von dem wird die Rechtschreibung für die sieben deutschsprachigen Länder und Regionen verbindlich festgelegt. (Nebenbei: Auch der Duden ist kein amtlich legitimiertes Rechtschreibwerk).

Das IDS habe weder die Kompetenz noch die Absicht, in aktuellen sprachlichen Kontroversen als Schiedsrichter aufzutreten. Sprache als gemeinsamer Besitz der Menschen verändert sich, kann verstanden werden als „eine Manifestation gesellschaftlichen Handelns, ja der Gesellschaft überhaupt“, schreibt Lobin in seinem aktuellen Buch „SprachKampf“ (Duden Verlag, ISBN 978-3-411-74004-8). Es gäbe ein neues Interesse an Sprachpolitik, sagt er. Der gesellschaftliche Disput wird insbesondere befördert durch die Neue Rechte mit ihrem Kampf gegen Fremdwörter, der Ablehnung von „politischer Korrektheit“ und gendergerechtem Deutsch und mit der Forderung „Deutsch ins Grundgesetz“. Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen des IDS legen mit ihrer Arbeit die Grundlage für eine faktenbasierte Diskussion über die Verwendung des Deutschen in der Öffentlichkeit, in den Medien oder in den Behörden. Dazu gibt es Projekte wie „Bürgernahe Sprache“ oder „Computerlexikographie“ mit dem öffentlich zugänglichen Wörterbuchportal OWID. Das umfasst Wortschatzsammlungen u.a. zur Wende, zu Corona oder Neologismen. Jedes Jahr werden Anfang Dezember – in diesem Jahr am 6. Dezember – die jeweils aktuellen neuen Wörter vorgestellt.

Vom IDS wird aber auch das populärwissenschaftliche Magazin „Sprachreport“ herausgegeben. Das befasst sich in seiner Ausgabe 2/2021 mit der Frage „Geschlechtergerechte Sprache: Zumutung, Herausforderung, Notwendigkeit?“.

Eine Umfrage der Experten und Expertinnen des IDS zur Verwendung der gendergerechten Sprache ergab eine Zustimmung von 80 Prozent der Befragten.  Ein Ergebnis, das angesichts der teils hitzigen öffentlichen Diskussion durchaus überrascht. Und es gibt auch nicht die eine richtige Form geschlechtergerechter Sprache: Das Deutsche bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten – auch schon in der Vergangenheit.

Der Universalgelehrte und Autor Eberhard Happel nutzte in seiner Schrift „Der Academische Roman“ die Partizipalform in einem warnenden Schreiben an einen angehenden Studenten: “wie er doch als ein ansehnlich Mann sich zu den großen Verdrießlichkeiten der Studirenden begeben könnte…“ Geschrieben 1690.

Thomas Prinzler

 

 

 

Von Volk und N-Wort

Besuch der Universität Heidelberg

Die Fahrt von Mannheim nach Heidelberg dauert nur eine Viertelstunde, doch der Unterschied zwischen zwei Städten könnte kaum größer sein: Hier Mannheim, vor 400 Jahren am Reißbrett als Quadratestadt geplant, mit schachbrettartig angeordneten Straßen wie in Manhattan, dort Heidelberg, die ehrwürdige Universitätsstadt mit verwinkelten Gassen, Kopfsteinpflaster und den aus dem Buntsandstein des Odenwaldes gemauerten Gebäuden, die eine erdige rot-weiße Farbe über die Stadt verteilen. Auch die Alte Universität, ein auf den ersten Blick eher unscheinbares Gebäude im Zentrum des Universitätsplatzes, ist seit Jahrhunderten in diesem Farbton gehalten.

Dort treffen wir im Senatssaal Prof. Ekkehard Felder vom Lehrstuhl für Germanistische Linguistik. Sein Thema klingt zunächst etwas abstrakt und behäbig: „Sprache als Indikator für Identität, Mentalität und Authentizität“, doch die Aktualität wird schnell klar, als er seine Überlegungen mit einem Zitat von Bert Brecht beginnt: „Wer in unserer Zeit statt Volk Bevölkerung sagt […], unterstützt schon viele Lügen nicht“. Damit öffnet er das politische Spannungsfeld zwischen den Begriffen „Volk“ und „Bevölkerung“, um dann den Wandel des Begriffes an den Sprechchören der Montagsdemonstrationen 1989/90 „Wir sind das Volk“ über „Wir sind ein Volk“ bis zum Versuch der Einvernahme der Parole durch die Pegida zu illustrieren.

Noch näher an der Gegenwart ist die Diskussion um den Gebrauch oder Nicht-Gebrauch bestimmter, von vielen als toxisch empfundener Begriffe wie Geflüchtete statt Flüchtlinge. Am stärksten polarisiert dabei das N-Wort. Diese Diskussion macht auch vor den Türen der Universität nicht Halt. Felder betont, dass es zu seinem Menschenbild gehöre, dass im geschützten Raum eines Seminars autonome und selbstbewusste Menschen sitzen, und dass dort auf einer metasprachlichen Ebene, mit Sprache über Sprache, diskutiert werden kann, also auch über das N-Wort. Sein Unbehagen gegenüber der Vorstellung, dass bestimmte Triggerworte in einem Linguistik-Seminar, in dem über Sprache gesprochen wird, nicht verwendet werden dürften, ist ihm deutlich anzumerken. „Das Ringen um den Sprachgebrauch ist Schmiermittel einer lebendigen Demokratie“, sagt er. Insofern gehört auch das Ringen um das N-Wort dazu.

Carsten Schroeder

 

Ich verstehe nur Bahnhof

Wie nutzen und verstehen Menschen Sprache? Welche Herausforderungen ergeben sich daraus für die maschinelle Sprachverarbeitung? Damit beschäftigt sich die Computerlinguistik.

Am letzten Tag der Recherchereise der WPK zum Thema „Sprache als Journalistisches Thema“ haben wir PhD Studentin Letitia Parcalabescu getroffen. Sie forscht am Institut für Computerlinguistik in Heidelberg zum „deep learning“ in der maschinellen Sprachverarbeitung. Beim deep learning wird der Computer nicht direkt mit Regeln „gefüttert“, sondern mit Fragestellungen und Beispielen von möglichen Antworten. Durch milliardenfache Korrekturen, lernt er dazu, welches das richtige, also das erwünschte Ergebnis ist und kann die neu erlernte Regel danach korrekt anwenden.

Letitia Parcalabescus Forschungsschwerpunkt im „deep learning“ sind sogenannte Transformer. Bei Transformern laufen die Inputs durch in Serie geschaltete Kodierer und Dekodierer und mithilfe von neuronalen Netzen, kann der Computer eine Folge von Wörtern in eine andere Folge von Wörtern übersetzen. Dank der Transformer kann der Computer Aspekte menschlicher Sprache übersetzen, die nicht regelbasiert sind. Der Computer übersetzt den deutschen Satz „Ich verstehe nur Bahnhof“ dann korrekterweise mit „to understand nothing“ anstatt „to understand train station“.

Die praktische Anwendung von „deep learning“ und Transformern in Künstlicher Intelligenz ist schon in vollem Gange. Wir alle haben gemerkt, wie sehr sich die Übersetzungen von Google Translate in den letzten Jahren verbessert haben. Ebenso die Fähigkeit von Computern inzwischen auch lange Texte zusammenzufassen (Reddit Bot Zusammenfasser), Dialogsysteme (Siri, Alexa) und Frage-Antwort-Systeme (Watson) nutzen das „deep learning“. Die britische Tageszeitung The Guardian veröffentlichte vor ein paar Monaten sogar einen beinah poetisch anmutenden Artikel, der von dem Supercomputer GPT3 selbstständig verfasst wurde. Die bedeutendste Sparte der praktischen Anwendung von KI bleiben aber nach wie vor die Internet-Suchmaschinen.

Die verbesserten Antworten der neuen KIs basieren auch darauf, dass die Maschinen jetzt nicht nur mit Text, sondern zusätzlich mit Bildern und Tönen „gefüttert“ werden.

Wenn ein Kind sprechen lernt, hat es bereits ein intuitives Wissen über die Welt und menschliche Interaktionen. Das ist für Menschen selbstverständlich, aber dieser „Hausverstand“ fehlt den Maschinen. Sie müssen die Bedeutung von Sätzen aus dem Kontext der Wörter konstruieren. Oft kann dieser Kontext aber nicht allein aus Textdaten nachvollzogen werden. Deshalb müssen sie auch mit nicht-Text-Daten wie Bildern trainiert werden.

Und was sind die nächsten Schritte in der Entwicklung von KIs? Wo soll die Reise hingehen? Parcalabescu betreibt in ihrer Freizeit betreibt einen Youtube-Channel https://www.youtube.com/aicoffeebreak. Hier erklärt sie im Detail vor welchen Herausforderungen die maschinelle Sprachverarbeitung steht.

Lucia de Paulis

 

Sprache als Spiegel der Gesellschaft

Wie Sprache, Politik und Wirtschaft die Gesellschaft Ibero-Amerikas prägen, erforscht das Heidelberg Centrum für Ibero-Amerika-Studien (HCIAS). Das 2019 gegründete Institut forsche aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln über, mit und in Lateinamerika sowie der Iberischen Halbinsel, berichtet Professor Dr. Francisco Moreno-Fernandez, Direktor des 2019 gegründeten HCIAS. In einem späteren Schritt will der Hispanist auch die Regionen einbeziehen, mit denen Spanien und Lateinamerika historisch und sozioökonomisch verknüpft sind, wie den Mittelmeerraum, die Karibik, Nordamerika und Asien.

Bereits seit 2001 existiert ein reger Austausch in Forschung und Lehre mit der Universität in Santiago de Chile. Darauf baut auch der Masterstudiengang „Communication and Society in Ibero-America“ auf, der den Bogen über Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaften spannt und vor allem der Frage nachgeht, wie Sprache Wirtschaft und Gesellschaft eines Kulturraums prägen.

Kommunikation im Netz

Wie sich Bürger für die Gesellschaft engagieren und sich deren politische Meinung in den sozialen Medien niederschlägt, untersucht Junior-Professor Dr. Pablo Porten-Cheé vom HCIAS. Zwar sei die Zahl der Hasskommentare deutlich gestiegen, doch würden immer mehr Nutzer den Beschimpfungen auch widersprechen und sich wehren, hob der Wissenschaftler hervor. In einem interkulturellen Vergleich sucht Porten-Cheé nach Faktoren, die das Engagement von Bürgerinnen und Bürgern fördern. Das Ergebnis: Wird das Anliegen, beispielsweise Maßnahmen gegen den Klimawandel, an einem persönlichen Schicksal aufgezeigt, steigt die Bereitschaft, eine Petition zu unterschreiben, deutlich an.

Unter einem anderen Aspekt analysiert Junior-Professor Dr. Alejandro Ecker politische Meinungsbildung in Europa und Lateinamerika. Er spürt der Frage nach, wie es sich auf das gesellschaftliche Engagement und Wahlentscheidungen auswirkt, wenn einzelne Politiker, die zwar derselben Partei angehören, jedoch bei einzelnen Fragen divergierende Meinungen aufweisen.

Ecker zieht dazu Daten aus den sozialen Medien heran, beispielsweise, wer welchem Politiker folgt und welche Meinung äußert. Das wiederum eröffnet dem Wissenschaftler die Möglichkeit, Rückschlüsse auf die innerparteiliche Heterogenität zu ziehen. Ecker nutzt deskriptive und experimentelle Methoden und verknüpft sie mit maschinellem Lernen. Sein Ziel: Ein Modell zu entwickeln, um innerparteiliche Heterogenität und dessen Wirkungen abzubilden und im interkulturellen Vergleich zu nutzen.

Hannelore Gießen

 

In der UB Heidelberg

Eingestellt waren wir auf einen Ausflug ins Mittelalter und die Begegnung mit einem Heidelberger Original, der siebenhundert Jahre alten weltberühmten Liederhandschrift Codex Manesse. Dass es dann im holzgetäfelten Sitzungsraum der Heidelberger Universitätsbibliothek etwas anders kam, hatte aber durchaus Vorteile.

Mit Sätzen wie „Wir sind das Bayern München der deutschen Unibibliothekslandschaft“ und „Ich verstehe mich als Unternehmer“ sorgte der langjährige Bibliotheksdirektor Dr. Veit Probst dafür, dass es nicht nur um die spannende Vergangenheit der 1386 gegründeten, und damit ältesten deutschen UB ging, sondern mindestens ebenso sehr um ihre Gegenwart und Zukunft.

Und manchmal ergänzt sich all das aufs Schönste, wie die Geschichte der Bibliotheca Palatina zeigt. Die Handschriftensammlung gilt als eine der bedeutendsten Bibliotheken des Heiligen Römischen Reichs. Bis zum Dreißigjährigen Krieg wurde sie in Heidelberg verwahrt und dann 1623 als päpstliche Beute nach Rom geschafft. Zwar erhielten die Heidelberger 1816 die deutschsprachigen Handschriften zurück, der große Rest lateinischer und hebräischer Schriften aber blieb im Vatikan.

Heute ist die Bibliotheca Palatina wieder in Heidelberg vereint, digital versteht sich, und das hat mit dem unternehmerischen Elan des gelernten Historikers Veit Probst zu tun. Mit zwei Millionen Fördergeld baute er ein Digitalisierungsstudio in Vatikannähe auf – die Miete zahlte er zunächst aus eigener Tasche –, brachte die erforderlichen Geräte mit einem Speditionsunternehmen nach Rom und hielt den entsandten Mitarbeitern für sieben Jahre den Rücken frei. Die schafften pro Woche drei bis vier Handschriften; 2018 war der gesamte römische Bestand der altehrwürdigen Bibliothek digitalisiert und steht seither unter https://digi.ub.uni-heidelberg.de/de/bpd/index.html aller Welt kostenlos zur Verfügung.

Apropos Kosten: Die waren und sind ein großes Problem für alle Universitätsbibliotheken, wenn es um die Lizenzen für moderne wissenschaftliche Literatur geht. Die Jahresgebühren allein für die drei Branchengrößen, die Verlage Elsevier, Springer und Wiley, summierten sich in Heidelberg auf 2,2 Millionen Euro.  Veit Probst: „Wir kommen allerdings kaum um diese Anbieter herum, weil sie zusammen rund die Hälfte der wissenschaftlichen Literatur publizieren.“ Nachdem auch die Heidelberger UB sich zunächst einem Boykott der großen Drei durch die deutschen Unibibliotheken angeschlossen hatte, scherte sie nach einer Weile aus und schloss einen Sondervertrag mit Elsevier. „Jetzt sind wir mit einer Million Downloads im Jahr auf der legalen Seite, haben uns aber viel Kritik von außen eingehandelt“, berichtete der selbstbewusste Bibliotheksmanager unserer Runde.

        

Wenn er demnächst in Rente geht, kann er sich über eine gute Bilanz freuen: Die Heidelberger UB gehört zu den leistungsfähigsten im Land und mit der von ihm gegründeten Heidelberg Publishing Group steht Wissenschaftlern vor Ort ein renommierter Verlag mit eigenem Lektorat und Anschluss an internationale Datenbanken zur Verfügung.

Den größten Schatz der Universitätsbibliothek, den prächtigen Codex Manesse, konnte unsere Gruppe zum Schluss doch noch bewundern. Zwar nicht im Original – die fragile Handschrift bleibt bis auf sehr besondere Anlässe im Tresor –, aber immerhin in einer 1925 in Leipzig entstandenen Faksimile-Edition. Auch sehr schön, siehe hier.

Lilo Berg

 

Von Kleinkindern und Luther-Handschriften

Jetzt bloß nicht gegen das Buch stolpern: Eine jahrhundertealte gebundene Handschrift nötigt Respekt ab. Allein die Vorstellung, durch wie viele Hände die 1200 Jahre alten Pergamentblätter aus dem Kloster Lorsch gegangen sind. Oder dass es in einem anderen Buch tatsächlich Martin Luther war, der die unordentlichen Absätze gekrakelt – und wieder durchgestrichen – hat.

Solche Handschriften vor sich zu haben ist etwas anderes, als die digitalisierte Form zu lesen, da sind sich alle im Raum einig: die Teilnehmer der Recherchereise „Sprache als journalistisches Thema“ der WPK ebenso wie Veit Probst und Karin Zimmermann, Leiter der Heidelberger Universitätsbibliothek und Leiterin der Abteilung Historische Sammlungen. Mehrmals fällt das Wort „Aura“.

Trotz weniger Aura bietet die Digitalisierung solcher Schriftstücke aber natürlich riesige Vorteile: Sie erleichtert Historikerinnen ihre Forschung enorm. Wer früher etwa fünf Bibliotheken in unterschiedlichen Städten besuchen musste, um eine bestimmte Abbildung in fünf Büchern zu vergleichen, kann die Bücher heute einfach am Bildschirm anschauen. Die Universitätsbibliothek Heidelberg steckt daher viel Aufwand in solche Projekte und schleppte sogar Scanner in den Vatikan, nachdem endlich die Erlaubnis kam, Codices der Bibliotheca Palatina digitalisieren zu dürfen, die dort seit Jahrhunderten lagerten.

Die Universitätsbibliothek war der letzte Programmpunkt der gut organisierten Recherchereise, nach dem Auftakt am Leibniz-Institut für Deutsche Sprache in Mannheim und nach Treffen an der Universität Heidelberg mit Forschern des Germanistischen Seminars, des Instituts für Deutsch als Fremdsprachenphilologie sowie des Heidelberg Centrums für Ibero-Amerika-Studien. Jeder Termin bot interessante Einsichten: Wie spricht eigentlich jemand, der „authentisch“ wirkt? Welche Förderung brauchen bilinguale Kleinkinder, um im Kindergarten möglichst gut Deutsch zu lernen? Wie kann die Politikwissenschaft Kommentare von Politikerinnen in sozialen Medien nutzen?

Es sind Themen, die sich im täglichen Geschehen nicht aufdrängen, aber doch oft eng mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen zusammenhängen. „Sprache als journalistisches Thema“ war eine wunderbare Gelegenheit, sich mit solchen Themen auseinanderzusetzen und neue Ideen mitzunehmen. Und nebenbei in der alten Universitätsstadt Heidelberg noch ein wenig die Aura vergangener Jahrhunderte zu spüren.

Anne-Sophie Lang

 

Fotos: Thomas Prinzler, Dina Koletzki, Lilo Berg, Lynda Lich-Knight

Die WPK dankt folgenden Sponsoren der Recherchereise: Heidelberg Marketing GmbH (Übernachtung), Universität Heidelberg (Abendeinladung)