Neue Wege im Wissenschaftsjournalismus?

Mit bis zu 15.000 Euro fördert die Robert Bosch Stiftung neue Ideen für einen zukunftsfähigen Wissenschaftsjournalismus. Eine dieser Ideen ist der Faktencheck, den wir in dieser Ausgabe vorstellen. Das WPK-Quarterly sprach mit dem Projektmanager Patrick Klügel über das Förderprogramm, das noch bis Ende März 2013 läuft.


An wen richtet sich das Programm?

   Mit dem Programm „Neue Wege im Wissenschaftsjournalismus“ wollen wir allen denjenigen schnell verfügbare Anschubförderung geben, die mit einer richtig guten Idee nachhaltig zur Qualität im Wissenschaftsjournalismus beitragen. Bewerben können sich freie Journalisten, Journalistenverbände, Kooperationsprojekte – das ist relativ offen. Es zählt das Projekt.

Warum gibt es dieses Programm?
   Der Journalismus verändert sich. Der richtige Umgang mit den Herausforderungen durch die neuen Medien wird ebenso diskutiert wie neue Bezahlmodelle für den Qualitätsjournalismus; Stellen werden abgebaut, es herrscht eine gewisse Unsicherheit, wie die Entwicklungen weitergehen. Von dieser Umbruchphase wird auch der Wissenschaftsjournalismus nicht verschont bleiben. Aber diese Situation bietet auch Chancen: Gerade im Wissenschaftsjournalismus gibt es gute Voraussetzungen, mit neuen Formaten konstruktiv Wege aufzuzeigen, z.B. im Bereich Datenjournalismus oder Visualisierung komplexer Themen oder auch durch interaktive Lesereinbindung bei kontroversen Recherchen.

Wie wird es angenommen?
   Wir sind sehr zufrieden. Fünf Anträge haben wir bisher bewilligt, andere prüfen wir noch. Insgesamt haben uns seit April etwa 30 Anfragen sehr unterschiedlicher Herkunft erreicht. Das sind freie Journalistenbüros, Journalistenverbände, Hochschulen, aber auch engagierte Einzelpersonen und Verlage. Fördern können wir natürlich nur gemeinnützige Projekte. Im Moment überlegen wir, den geförderten Projekten und allen Interessierten eine Vernetzungsmöglichkeit zu bieten – denn schließlich sollen die guten Ideen ja nachgeahmt und weiterentwickelt werden!


Patrick Klügel ist Projektleiter im Programmbereich Gesundheit und Wissenschaft bei der Robert Bosch Stiftung in Stuttgart.

Kann man die Anträge irgendwie inhaltlich gruppieren? Gibt es Schwerpunkte?
   Es gibt einen eindeutigen Online-Schwerpunkt. Hier liegt sicherlich im Moment großes Potential, z.B. bei unabhängigen Portalen zu bestimmten wissenschaftlichen Themen. Viele Anträge beschäftigen sich mit den neuen vielfältigen Möglichkeiten der Interaktion mit den Lesern/Usern. Der Kontakt mit der Zielgruppe scheint schon ein Zukunftsthema zu sein. Aber wir fördern z.B. auch ein Projekt, das hochqualitativen Wissenschaftsjournalismus ins Privatradio bringt – das ist ziemlich einzigartig.

Wie wird ausgewählt und wer wählt aus? Gibt es jemanden in der Stiftung, der das letzte Wort hat?
   Der Auswahlprozess ist wie meistens in der Robert Bosch Stiftung zweistufig: Inhaltlich passende Projekte, die die Ausschreibungskriterien erfüllen, laden wir nach einer formalen Prüfung und gegebenenfalls Beratung zur Antragstellung ein. Der ausführliche Antrag wird von einem unabhängigen Beirat begutachtet, der der Stiftung eine Empfehlung gibt. Die Entscheidung über eine Förderung liegt letztlich bei der Geschäftsführung.


Mit Patrick Klügel sprach Markus Lehmkuhl

 

 

Ihr Kommentar:






Erlaubte Tags: <b><i><br>Neuen Pinnwand-Eintrag erstellen: