Jury des Media Forward Fund zeichnet neue gemeinwohlorientierte Geschäftsmodelle aus – Drei Medien erhalten Förderungen in Gesamthöhe von 250.000 Euro – Nächster Call im September 2026

In der neuen Förderlinie „Wissenschafts- & Datenjournalismus“ (SCI) von Wissenschaftspressekonferenz (WPK) und Media Forward Fund (MFF) erhalten drei Medien aus Deutschland „Launch Grants“ von jeweils bis zu 100.000 Euro, die ein Vorhaben von der Idee zum Launch unterstützen sollen.

Die unabhängige Jury – u.a. mit Christina Elmer, Professorin für Digitaljournalismus an der TU Dortmund, und Jakob Simmank, Chefreporter Gesundheit bei der ZEIT – hat in der vergangenen Woche die eingegangenen Bewerbungen gesichtet und die neuen Förderprojekte ausgewählt.

Auf die Ausschreibung der „Launch Grants“ hatten sich im Mai 26 Teams mit Kurzintros beworben. In dem mehrstufigen Auswahlverfahren wurden nach den Erstgesprächen sieben Teams zur Antragstellung eingeladen, vier Teams wurden für die Jurysitzung in Berlin zugelassen. Aus diesen Bewerbungen hat die Jury nun drei Projekte zur Förderung ausgewählt:

  • Die Wissenschaftsredaktion von TwentyTwo Film aus Köln, die mit der Marke Doktor Whatson bereits auf YouTube reichweitenstarken niedrigschwelligen Wissenschaftsjournalismus für junge Zielgruppen produziert, erhält eine Projektfinanzierung von 100.000 Euro für ein neues Instagram-Format, das mit kreativen Datenvisualisierungen zu relevanten Themen junge Menschen informieren will.

Die Jury lobt die klare Zielgruppen- und Kundenorientierung sowie den experimentierfreudigen Drive des Projekts: „TwentyTwo Film zeigt, dass fundierter Wissenschaftsjournalismus auch auf aufmerksamkeitsökonomisch geprägten Plattformen wie YouTube funktionieren kann. Besonders hervorhebenswert: Die Produktion soll unabhängiger von einzelnen Hosts werden.“

  • Die investigative Recherche- und Transparenzplattform FragDenStaat, die auf Basis von Auskunftsrechten amtliche Informationen auf Landes- und EU-Ebene anfordert und protojournalistisch für Kooperationen mit großen Medienpartnern wie dem ZDF Magazin Royale auswertet, wird mit 75.000 Euro gefördert – für ein neues datenjournalistisches Tool namens „Bundespressekonferenz-Tracker“, mit dem Statements von Bundesministerien, Sachfragen und Antworten der BPK-Mitglieder dokumentiert und kategorisiert werden sollen, um über lange Zeiträume aufzuzeigen, welche Themen viel und welche kaum diskutiert werden.

Hier hebt die Jury die protojournalistische Infrastrukturarbeit hervor, die andere Medien dazu anregt, ein Thema ins Licht zu rücken, das sonst verborgen bliebe: „Das Projekt von FragDenStaat stärkt die Funktion der Bundespressekonferenz als Gegenstand der Berichterstattung. Als datenjournalistisches Innovationstool macht es Diskurse nachhaltig transparent und nachvollziehbar. Zudem hat es das Potenzial, sich positiv auf andere datengetriebene Geschäftsmodelle auszuwirken.“

  • Die Plattform Dekoder, die als Schnittstelle zwischen Journalismus und Wissenschaft relevante Beiträge von unabhängigen, nicht-staatlichen Journalist:innen aus dem russischen, belarussischen und ukrainischen Sprachraum kuratiert und übersetzt, erhält eine Förderung von 75.000 Euro für ein neues Newsletter-Angebot: Dekoder will künftig zwei wöchentliche Newsletter veröffentlichen – einen auf Deutsch, der über aktuelle Geschehnisse in Russland, der Ukraine und Belarus informiert, und einen für eine russischsprachige Leserschaft, der wissenschaftlich fundierte Einordnungen zu Deutschland liefert.

„Kuratierung wird immer wichtiger in Zeiten von Informationsüberfluss und fragmentierten Öffentlichkeiten. Indem Dekoder einschlägige Beiträge kuratiert und übersetzt, bieten sie eine zuverlässige Informationsquelle in einem von Propaganda geprägten Mediensegment“, begründet die Jury ihre Entscheidung. „Dekoder ist uns mit datenjournalistischen Projekten bereits positiv aufgefallen und wir unterstützen die Transformation hin zu einem eigenständigen journalistischen Format.“

„Wir gratulieren den ausgewählten Förderteams herzlich zu ihren innovativen Ideen“, sagt WPK-Vorsitzende Nicola Kuhrt. „Ihre Herangehensweisen unterscheiden sich distinktiv von den bestehenden Ansätzen im journalistischen Markt und schließen wichtige Lücken im Wissenschafts- oder Datenjournalismus. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit den Projekten.“

Dabei ist die WPK für die persönliche Betreuung und fachliche Begleitung der Förderteams gemeinsam mit dem MFF verantwortlich. Darüber hinaus bringt sich die WPK in das zusätzliche Capacity Building, Upskilling und Coaching der Teams ein.

So wird die WPK die neuen Förderprojekte in einer eigenen Session bei ihrer Konferenz WISSENSWERTE 2025 vom 29. September bis 1. Oktober an der Freien Universität Berlin vorstellen.

Träger der Förderlinie SCI

Die neue Förderlinie „Wissenschafts- und Datenjournalismus“ (SCI) in Kooperation mit der WPK ist die erste thematische Förderlinie im Media Forward Fund (MFF). Getragen wird die Förderlinie von der Joachim Herz Stiftung, VolkswagenStiftung, Klaus Tschira Stiftung, Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, Schöpflin Stiftung, Rudolf Augstein Stiftung, ZEIT STIFTUNG BUCERIUS und Madsack Stiftung. Das BMBF finanziert die Maßnahmen für Capacity Building, Upskilling, Coaching und Qualitätssicherung der Förderprojekte.

Jury

Der Jury der Förderlinie SCI gehören Prof. Dr. Christina Elmer (TU Dortmund), Prof. Dr. Helmut Schönenberger (UnternehmerTUM) und Dr. Jakob Simmank (DIE ZEIT) an. Um eine einheitliche Bewertung der Vergabekriterien über alle Förderlinien des MFF sicherzustellen, ergänzten Eva Schulz, Evelyn Hemmer und Prof. Dr. Lucy Kueng aus der Jury für die generelle Förderlinie (GEN) die SCI-Jury.

Nächster Call im September 2026

Die nächste Ausschreibung der Förderlinie SCI startet im September 2026. Im kommenden Jahr werden zweijährige Organisationsförderungen und Projektfinanzierungen in der Höhe von in der Regel 200.000 bzw. 400.000 Euro vergeben. Die Bewerbungsphase wird wieder von Info-Sessions begleitet, sowohl online als auch vor Ort.

Weiterführende Informationen: https://www.mediaforwardfund.org/bewerben/foerderlinie-fuer-wissenschafts-und-datenjournalismus

 

Kontakt: WPK – Die Wissenschaftsjournalisten | Wissenschaftspressekonferenz e.V.
Holger Hettwer | Geschäftsführer | Rosenstr. 42-44, 50678 Köln
Telefon: 0221 / 33 77 17-11 | E-Mail: holger.hettwer@wpk.org