Es war längst überfällig. Eigentlich sollte schon 2011 erstmals die Weltkonferenz der Wissenschaftsjournalisten (WCSJ) in Afrika stattfinden. Doch wegen des arabischen Frühlings in Ägypten wurde die 7. WCSJ kurzfristig von Kairo nach Doha (Katar) verlegt.
14 Jahre sollte es dauern bis es endlich soweit war. Vom 1. bis 5.Dezember 2025 nun lud das südafrikanische Pretoria zur 13TH WORLD CONFERENCE OF SCIENCE JOURNALISTS ein.

Networking Cocktail © Michael Stang
Unter dem Motto „Science journalism and social justice: Journalism that builds understanding and resilience,“ zog die Konferenz rund 400 Delegierte aus mehr als 70 Ländern an. In dutzenden Sessions tauschten sich die Teilnehmenden über Aktuelles aus Wissenschaft, Politik und Journalismus aus. Am Ende gab es den Appell, Fehlinformationen zum Klimawandel entgegenzuwirken, KI für Ernährungssicherheit zu nutzen, sich für eine geschlechtergerechte Berichterstattung einzusetzen und afrikanische Forschende weiter in den Mittelpunkt des globalen Diskurses zu rücken.
Wie bei früheren Weltkonferenzen war die WPK dabei, die Mitglied des Weltverbandes WFSJ ist. WPK-Vorstandsmitglied Astrid Viciano stellte im Workshop “How to be excellent: free and easy tools to upgrade your science journalism” unter anderem das Projekt Medien-Doktor der TU Dortmund vor.
Eva Wolfangel berichtete in der Session „AI – friend or foe 2.0: A journalistic perspective from inside the machine” von einigen ihrer Recherchen und verwies darauf, dass KI halluziniert und man ihr nicht trauen kann.
Und Michael Stang hatte eine Session zum Thema „Fake news! Fake news? Cross-border challenges and out-of-the box options for debunking false stories” organisiert und moderiert, die zeigte, wie wichtig Vielfalt in den Newsrooms ist.

Einer der vielen field trips. © Michael Stang
Spannend waren auch die kleineren Sessions, wo es um Transparenz im journalistischen Alltag ging, etwa um Fragen zu Fehlern bei Recherchen und den Umgang damit oder auch, wie sich unsere Branche schützen kann, um Burnouts zu verhindern, Stichwort psychische Gesundheit.
Alleinstellungsmerkmal jeder WCSJ waren wieder die field trips und hier hatte Südafrika einiges zu bieten. Wie bei der WPK-Reise 2014 ging es unter anderem zur Cradle of Humankind, in die Höhlen von Sterkfontein oder in eine Tierklinik, zudem standen Wanderungen zu Meteoritenkratern an, Radioastronomiefans kamen auf ihre Kosten und es gab neue Einsichten in die TB-Forschung und mRNA-Impfstoffproduktion in Südafrika.

Auf der Konferenz herrschte eine gute Stimmung. © Michael Stang
Kleines Manko der WCSJ2025 war das leider etwas ausgedünnte Programm sowie die geringe Zahl an Teilnehmenden, die noch kleiner war als die der vergangenen Konferenz 2023 im kolumbianischen Medellín, die aufgrund von finanziellen und logistischen Problemen bereits als Kompromissveranstaltung galt.
Dennoch war der internationale Austausch gegeben, die Diversität war groß und viele nutzten die Chance, ihre westlich dominierte Journalismus-Bubble zu verlassen und von Kolleginnen und Kollegen aus Lesotho, Malawi, Ghana, den Philippinen, Nepal, Indien und Kolumbien et cetera zu lernen.
Ob diese dringend notwendige Diversität auch 2027 bei der nächsten Konferenz erreicht werden kann, bleibt abzuwarten, die – wie schon 2009 – in London stattfinden wird.
Große Spannung gab es um den Austrichter für 2029, bei dem sich Australien und China ein enges Rennen lieferten. Bei der Abschlussfeier gab Ben Deighton, Präsident der World Federation of Science Journalists (WFSJ), die die WCSj organisiert, den Gewinner bekannt: mit Peking wird der Weltkongress in einem Land stattfinden, das zwar finanziell stark aufgestellt ist, aber im Ranking der Pressefreiheit mit Rang 178 nur den drittletzten Platz belegt! Es bleibt spannend, ob und wie der Weltverband sicherstellen wird, dass es ein unabhängiges Programmkomitee gibt, Veranstaltungen etwa zum Ursprung von Covid-19 möglich sind, die Konferenz frei von Zensur bleibt und tatsächlich alle nötigen Visa ausgestellt werden.
Es ist ein Wagnis, aber Respekt gilt auch der Entscheidung, die WCSJ nicht erneut in einem westlichen Land abzuhalten, sondern wie 2015 in Asien – um damit dem Anspruch gerecht zu werden, eine wirkliche Weltkonferenz zu sein.
Michael Stang
