TikTok, Klima- & Pandemieforschung sowie Networking vom Feinsten
WPK trifft Schweizer Wissenschaftsjournalist:innen in Bern

Im Mai reiste eine achtköpfige Delegation der Wissenschaftspressekonferenz (WPK) e.V. nach Bern – eingeladen von ihren Schweizer Kolleg:innen, die im Herbst zuvor bei der Wissenswerte in Heidelberg zu Gast gewesen waren. Förderpartnerin des Frühjahrstreffens war die Gebert Rüf Stiftung (GRS).

Die großen Fragen lauteten: Wie erreicht man die Öffentlichkeit wirkungsvoll – auch über soziale Medien wie TikTok und Co.? Und wie kann Forschung helfen, künftige Krisen besser zu bewältigen?

Nach Theorie und Praxis rund um „Science und Social Media“ stand eine Stadtexkursion zum Thema Klimaforschung auf dem Programm. Am zweiten Tag folgten Einblicke in die Pandemieforschung am Institut für Virologie und Immunologie (IVI) sowie ein Besuch im Mobiliar Lab für Naturrisiken. Ein gemeinsamer Abend mit Schweizer Spezialitäten und inspirierenden Gesprächen rundete das Treffen ab – so geht Networking vom Feinsten.

Dr. Karin Schumacher

Stadtführung durch die Berner Altstadt zum Schwammstadt-Projekt: Die Grünanlagen in der Nähe des Bundeshauses basieren auf ehemaligen Festungsanlagen und werden derzeit saniert.

Stadtführung durch die Berner Altstadt zum Schwammstadt-Projekt: Die Grünanlagen in der Nähe des Bundeshauses basieren auf ehemaligen Festungsanlagen und werden derzeit saniert.

Wissen schaffen auf Tiktok & Co – mit oder ohne Harry Styles

Tell one story – Konzentrier dich auf eine Geschichte. Du solltest sie in einem Satz für dich selbst zusammenfassen können. Das gilt für viele journalistische Produkte und für soziale Medien ganz besonders. Tiktok ist als Plattform umstritten, aber gerade bei jungen Zielgruppen weiterhin sehr beliebt.

Katja Sterzik erzählt, wie die Deutsche Welle für Tiktok wissenschaftlichen Content kreiert.

Beim Frühlingsseminar des Schweizer Klubs für Wissenschaftsjournalisten erzählen Profis aus der Wissenschaftskommunikation und aus dem Journalismus, worauf sie besonders achten, wenn sie bei Tiktok wissenschaftlichen Content posten.

Ein bis drei Sekunden – mehr Zeit hat ein vertikales Video nicht, um die Aufmerksamkeit der User*innen zu gewinnen und zu halten. Der erste Satz und die ersten Bilder entscheiden als Hook, ob Leute dranbleiben oder einfach weiter wischen. Daran erinnert Chloé Carrière aka Galactic Chloé, Raumfahrt-Ingenieurin und Wissenschaftskommunikatorin aus Lausanne. Sie ermuntert dazu, auf eigene Stärken zu achten und authentisch mit der „eigenen Stimme“ zu erzählen.

Call to action am Ende nicht vergessen – und wenn es nur die Aufforderung ist: „Was sollten wir tun, A oder B? Was denkst du?“ Dass Leichtigkeit auch bei Tiktok-Videos harte Arbeit ist, und dass eine Stunde nicht viel Zeit ist, um in einer Minute Video auf den Punkt eine relevante und spannende Geschichte über die Rückkehr der Masern zu erzählen, erleben die rund 60 Teilnehmenden des Frühlingsseminars in einer Übungssession hautnah selbst.

Auf Instagram, vor allem, um selbst zu posten, auf TikTok um unterhaltsame Sachen zu sehen – diese beiden großen Plattformen werden unterschiedlich genutzt. Wer auf Tiktok gesehen werden will, muss aber nicht nur unterhaltsam sein. Auch wenn der Tiktok Algorithmus nicht transparent ist, Insights aus der praktischen Arbeit für Deutsche Welle Science teilt Katja Sterzik:

Eine gute und eine schlechte Nachricht: Die schlechte zuerst. Tiktok-User*innen bleiben bei Tiktok. Die Plattform eignet sich nicht wirklich, um Leute zu journalistischem Content woanders zu locken. Außerdem ist Tiktok einerseits bekannt dafür, extrem gut darin zu sein, Menschen zu zeigen, was sie „sehen wollen“, aber andererseits streut die Plattform auch immer komplett anderen Content mit in die Übersicht der „For you“-Seite – eine Chance für Wissenschaftscontent.

Ein guter Hook löst beim Sehen eine Frage aus – auf die ich dann eine Antwort will. Erfolgreiche TikTok-Videos sind oft (aber nicht immer) nicht nur schnell erzählt, sondern auch extrem dicht an Informationen, mit Bild im Bild und angereichert mit Elementen und Sounds, die die Message effektvoll rüberbringen.

Plötzlich viral – das kann Tiktok auch Monate später noch passieren. Wer zu einem trendenden Thema schon vor längerer Zeit Content rausgebracht hat – bei Tiktok ist es voll okay, im Nachhinein Metadaten anzupassen. Was wird mein nächstes Video? Wer unentschieden ist, sollte einen Blick in aktuelle Trends in der eigenen Region werfen. Was für den Algorithmus auch zählt: trendende Begriffe in den Metadaten. Harry Styles zieht offenbar immer.

Anne Preger

„Schwammstadt“

Moritz Burke und Andreas Zischg von der Uni Bern prognostizieren für ihre Heimatstadt Bern eine künftige Erwärmung zwischen 3,1 und 4,7 Grad aus, ab dem Jahr 2050. Das würde dann bedeuten, so die beiden Klimaforscher, dass es 25 Tage jedes Jahr geben wird, die „für die Gesundheit gefährlich sind“. Und das obwohl Bern nur 20 Kilometer von den, im Mai immer noch schneebedeckten, Bergen des Berner Oberlandes entfernt ist, die die Stadt über Kaltluftschneisen mit kühlender Luft versorgen.

Beide haben im Rahmen einer Stadtbegehung gezeigt, welche Messungen sie vornehmen, was sie der Stadt Bern empfehlen und welche Empfehlungen umgesetzt werden.

In der Stadt haben sie 100 Temperatur-Sensoren über die Stadt verteilt, und in drei Metern Höhe installiert. Sie sind umhüllt mit – kein Witz – Müslischalen, um sie vor direkter Strahlung zu schützen.

Prof. Andreas Zischg und sein Mitarbeiter erläutern das Schwammstadt-Projekt, während Jan Kerckhoff das Gespräch für den Bericht aufnimmt.

Prof. Andreas Zischg und sein Mitarbeiter erläutern das Schwammstadt-Projekt, während Jan Kerckhoff das Gespräch für den Bericht aufnimmt.

Folgende Maßnahmen hat Bern (teilweise) umgesetzt: Parkplätze werden nicht mehr asphaltiert, sondern mit Kies bedeckt. Das Regenwasser kann darüber versickern, steht somit den Straßenbäumen zur Verfügung für anschließende Verdunstungskühlung und wird nicht mehr über die Kanalisation abgeleitet.

Ähnlich ist man vorgegangen bei manchen Fußwegen in der Altstadt: durchlässiger Mergelbelag statt Asphalt oder Pflasterstein. Zudem wurden Versickerungsmulden angelegt. Die Wissenschaftler organisieren auch „Pflanztage“ mit denen Sie die Bürgerinnen und Bürger animieren wollen, ihre Straßen zu bepflanzen. In der Berner Innenstadt werden zudem demnächst 32 Bäume zusätzlich gesetzt. Ob die es dann auch schaffen, schnell genug zu wachsen, rechtzeitig einen effektiven Kühleffekt haben und es zudem den prognostizierten Hitzewellen trotzen können, bleibt offen. Wissenschaftler der TU München rechnen vor, dass Bäume erst ab einem Alter von etwa 50 Jahren und mit guter Belaubung einen effektiven Kühleffekt haben – dieser steigt exponentiell mit der Größe der Bäume. Zudem haben es die Berner Wissenschaftler geschafft, dass zumindest in einzelnen Straßenzügen außerhalb der Altstadt Parkplätze aufgelöst und Bäume gepflanzt werden, um die Hausfassaden zu kühlen.

Allerdings ist ein großflächiges, durchgängiges Klima- und Schwammstadt-Konzept in Bern nicht zu erkennen. Die Maßnahmen wirken kleinteilig und auf einzelne Stellen beschränkt. Dies entspricht auch der Situation vieler deutscher Großstädte.

Andreas Zischg verweist zudem auch auf Grenzen des Umbaus der Stadt hin zu mehr Klimawandelresilienz. Beispielweise müssen Straßen weiter ans Kanal-Kläranlagen-System wegen des Abriebs der Autoreifen angeschlossen bleiben. Ablaufwasser von Fahrbahnoberflächen kann man daher nicht versickern lassen. Ein Problem sind mancherorts auch Altlasten in den Böden. Werden diese entsiegelt, kann Sickerwasser die Schadstoffe auslösen.

Jan Kerckhoff

Krisenforschung zwischen Kuhweiden – Exkursion ans Institut für Virologie und Immunologie (IVI)

Grüne Hügel, grasende Kühe – Mittelhäusern südwestlich von Bern ist ein Postkartenidyll. Doch was auf den ersten Blick wie ein stattlicher Bauernhof aussieht, ist tatsächlich das Institut für Virologie und Immunologie (IVI), das schweizerische Referenzlabor für virale Tierseuchen. Hier untersuchen Forschende unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen Seuchen mit globalem Potenzial.

Sonnig und grün – so präsentierte sich das IVI im bernischen Mittelhäusern. (Foto Credit: Dr. Karin Schumacher)

Sonnig und grün – so präsentierte sich das IVI im bernischen Mittelhäusern. (Foto Credit: Dr. Karin Schumacher)

Das IVI ist eng mit dem Multidisciplinary Center for Infectious Diseases (MCID) verbunden, das 2021 als Reaktion auf die Corona-Pandemie an der Universität Bern gegründet wurde. Ziel ist es, aus den Erfahrungen der Vergangenheit zu lernen, um zukünftige Krisen besser zu bewältigen.

 

Schluss mit dem Blindflug in die nächste Pandemie

Spätestens seit COVID-19 wissen wir, dass Risiken existieren – wir jedoch oft erst handeln, wenn es zu spät ist. Wäre es nicht besser, Gefahren vorherzusehen und – wenn möglich – zu verhindern? „Nach der Pandemie ist vor der Pandemie“, sagt Prof. Volker Thiel, Leiter der Virologie, und betont die Bedeutung von Interdisziplinarität, internationaler Zusammenarbeit und entsprechender Infrastruktur.

Das One-Health-Prinzip: Mensch, Tier und Umwelt im Blick

Historische Exponate im IVI. Impfstoffentwicklung – aktuell auch für Tiere wichtig. (Foto Credit: Dr. Karin Schumacher)

Historische Exponate im IVI. Impfstoffentwicklung – aktuell auch für Tiere wichtig. (Foto Credit: Dr. Karin Schumacher)

„Tierseuchen verursachen enorme Schäden“, erklärt Institutsleiterin Prof. Barbara Wieland. Ein großes Problem ist die Entwicklung von Veterinär-Impfstoffen, da die Gewinnmargen in der Tiermedizin niedriger sind als in der Humanmedizin. Oft werden Tiere mit veralteten Impfstoffen behandelt, was auch ethische Fragen aufwirft. Deshalb setzt das IVI auf das One-Health-Prinzip: eine integrative Betrachtung von Mensch, Tier und Umwelt, da viele neue Krankheiten an dieser Schnittstelle entstehen.

 

BEready – das Frühwarnsystem der Zukunft

BEready steht für „Bern, get ready“ – ein innovatives Frühwarnsystem für die nächste Pandemie. Seit 2021 baut ein Forschungsteam unter Leitung von Prof. Nicola Low (Epidemiologie) und Projektleiterin Dr. Eva-Maria Hodel (Sozialwissenschaften) eine Langzeitkohorte mit bis zu 1.500 Haushalten im Kanton Bern auf. Ziel ist es, Proben zu sammeln und Daten zu erheben, um im Ernstfall schnell reagieren zu können.

Neben Menschen werden auch Haustiere in die Forschung einbezogen, da diese als potenzielle Überträger von Erregern eine wichtige Rolle spielen könnten. Dieses Modell ist in Europa einzigartig und könnte als Beispiel für andere Regionen dienen.

„Viele neue Krankheiten stammen von Tieren. Wir können die Bevölkerung nicht schützen, wenn wir nichts über Haustiere wissen“, sagt Dr. Eva-Maria Hodel.

  • Weitere Infos und Teilnahme (bislang nur für Menschen im Kanton Bern): www.beready.unibe.ch

Ein Blick hinter die Kulissen der Hochsicherheitsforschung

Foto: Die Tierzucht des IVI. (Foto Credit: Dr. Karin Schumacher)

Foto: Die Tierzucht des IVI. (Foto Credit: Dr. Karin Schumacher)

PD Dr. Claudia Bachofen, Leiterin der Abteilung Diagnostik und Entwicklung, führt uns über das Forschungsgelände. Inmitten der ländlichen Idylle begegnen uns Schafe, Schweine und eine junge Kuh aus der Tierzucht des Instituts, während wir uns der Schleuse zum Hochsicherheitslabor nähern.

 

Hier begann am 6. Februar 2020 die Schweizer Corona-Forschung, als ein Paket aus München mit Virus-Isolaten aus Speichelproben der ersten deutschen COVID-19-Patienten ankam. Der Standort in Mittelhäusern erwies sich als besonders vorteilhaft, da das IVI schnell startklar war und synthetische Klone des Virus herstellen konnte. Dies beschleunigte die rasche Impfstoffentwicklung und Therapieforschung.

Prävention durch Forschung

Der Besuch endet mit einem Blick auf das abgeschirmte Labor inklusive der beeindruckenden Notstromversorgung. Stromausfall? Hier undenkbar. Vorsorge bedeutet hier nicht nur Reaktion im Krisenfall, sondern kontinuierliche Forschung und Vorbereitung – auch wenn die Gefahr noch nicht sichtbar ist.

Rückkehr zur Wirklichkeit

Ein Maschendrahtzaun trennt das Forschungsgelände von den traditionellen Bauernweiden. Ein letzter Blick zu den Postkarten-Kühen, dann machen wir uns durch das ruhige Dorf auf den Rückweg nach Bern. Kurz vor dem Bahnhof passieren wir die Tierkadaverentsorgung. Auch das gehört zur Realität in Mittelhäusern.

Laut begrüßt uns die Stadt mit der Hitze ihres Asphalts. Tags zuvor konnten wir es selbst messen: sieben Grad Unterschied zwischen versiegeltem Boden und grünem Gras – manchmal sogar mehr. Und in Bern ist vieles versiegelt. Hoffentlich ist das Schwammstadt-Projekt nicht nur ein Tropfen auf einen schon viel zu heißen Stein.

Dr. Karin Schumacher

Besuch im MobiliarLab an der Universität Bern: Einblicke in die Forschung zu Naturrisiken

Wie lassen sich Extremwetter künftig besser vorhersagen? Können Schäden durch Hagelschlag, durch Erdrutsch und Überflutungen reduziert oder gar vermieden werden? Und wie stellen sich Versicherungsgesellschaften auf die Folgeschäden durch künftige Extremwetter ein? Am Mobiliar Lab für Naturrisiken gehen Wissenschaftler der Uni Bern diesen Fragen nach.

 

Wissenschaftler und Versicherer in Bern betreiben gemeinsam Risikoforschung, um Naturgefahren besser zu verstehen und Schäden zu minimieren. (Foto: Monika Kovacsics)

Wissenschaftler und Versicherer in Bern betreiben gemeinsam Risikoforschung, um Naturgefahren besser zu verstehen und Schäden zu minimieren. (Foto: Monika Kovacsics)

Für den letzten Programmpunkt Deutsch-Schweizer Treffens am Freitagnachmittag (16.5.) beim „SKWJ-Frühlingsevent“ gaben Prof. Andreas Zischg und Matthias Röthlisberger im Hörsaal der Uni Bern ein faszinierendes Bild vom derzeitigen Forschungsstand. Interessant ist, dass der Klimawissenschaftler Röthlisberger auch für die Versicherungsbranche, für die Schweizerische Mobiliar Genossenschaft, forscht.  Diese Versicherung kommt unter anderem für Folgeschäden des Klimas auf. Sobald durch Extremwetter Schäden entstehen, ist die Versicherung mit im Spiel, sagte Röthlisberger, der sich als Forscher zwischen den Bereichen Wissenschaft und Versicherung bewegt.

Aufgrund aktueller Messdaten geht Rüthlisberger davon aus, dass extreme Wetterereignisse künftig häufiger werden und damit auch Sachschäden zunehmen. Ziel seiner Forschungen ist die Prävention, ein Naturgefahrenmanagement, das es erlaubt, rechtzeitige Vorsichtsmaßnahmen einzuräumen, z.B. das Schließen von Tiefgaragen bei Hochwasser. Auf Grund von meteorologischen Netzwerken gehen die Wissenschaftler am MobiliarLab davon aus, dass der Klimawandel künftig mit weiter steigenden Temperaturen einhergeht.

Prof. Andreas Zischg erstellt Prognosemodelle für Klimafolgeschäden, z.B. Hagelschäden, die sehr kurzfristig auftreten können. Und er erforscht die Auswirkungen von Hochwasser-Ereignissen. Sein Ziel ist herauszufinden, wie man von der Wettervorhersage zur Schadensvorhersage kommt.  Dafür analysiert er die Hochwasservorkommnisse der letzten Jahrzehnte und Jahrhunderte. Zischg spricht von einem gewissen „Überschwemmungsgedächtnis“ eines Flusses. Das bedeutet jeder Fluss reagiert anders. Auch und gerade im Klimawandel. Bislang haben Zischg und seine Kollegen vor allem größere Flüsse modelliert, wie der Fluss Aare, der mitten durch die Stadt Bern fließt.

Prof. Andreas Zischg erklärt das Bottom-up-Prinzip und den Zusammenhang zwischen Flussabflussmengen und den damit verbundenen Schäden.

Prof. Andreas Zischg erklärt das Bottom-up-Prinzip und den Zusammenhang zwischen Flussabflussmengen und den damit verbundenen Schäden.

In seiner Powerpoint-Präsentation zeigte Zischg den Zusammenhang der Abflussmengen eines Flusses und den damit einhergehenden Schäden. Alarmierend ist, dass selbst bei leichtzunehmenden Hochwassermengen die Höhe der Schäden exponentiell zunimmt. Eine Herausforderung für die Wissenschaftler sind die vielen kleineren Riedbäche in der Schweiz, deren Überschwemmungspotential erst noch erfasst werden muss.

Mit dieser Modellierung von Flüssen und mit meteorologischen Daten sind bereits ziemlich genaue Hochwasservorhersagen möglich. Zischg hat mit Fachleuten entsprechende Tools entwickelt: www.hochwasserrisiko.ch und www.hochwasserdynamik.ch. Diese Instrumente zeigen für größere Orte und kleinere Gemeinden, wann wieviel Hochwasser auf sie zukommt. Von der Wettervorhersage bis zum Bevölkerungsschutz bleibt dann genügend Zeit, um Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. Generell lässt sich sagen, dass die Vorhersage eines Hochwassers bis zu 6 Tagen im Voraus möglich ist, erwähnte Zischg. Zeit genug, um Personen und Sachwerte in Sicherheit zu bringen.

Nach der Powerpoint-Präsentation beantworteten Zischg und Röthlisberger noch jede Menge Fragen, vor allem von unseren Schweizer Kolleg:innen, die versicherungstechnische Details ansprachen.

Anmerkung:  Nicht lange nach unserer Reise in die Schweiz wurde am 28.Mai 2025 das Schweizer Dorf Blatten fast ganz von einem Erdrutsch verschüttet (Ursache: vorgefallene Felsen, Druck auf den Birch-Gletscher und aufgetauter Permafrost). Alle Bewohner des Ortes und der umliegenden Siedlungen konnten bereits am 19.Mai evakuiert werden, was eine Vielzahl von Leben rettete. Leider wurde ein Schäfer, dessen Stall etwa 300 Meter außerhalb der Sperrzone lag, einen Monat später von Suchtrupps tot aufgefunden. Der Fall zeigt jedoch, wie wertvoll Vorhersagen und rechtzeitige Warnung sind.

Monika Kovacsics